Dienstag, 10. April 2012
Lofty Artness: Skaven!
Interlude: Lofty Artness
Neben den Slackerrecords, die bald wieder durch die Unitagebücher abgelöst werden und dem Gefasel, werdet ihr also alle paar Stunden, Tage, Wochen ein neues Bild für die Lofty Artness bekommen.
Lofty Artness? Was ist das? Natürlich ein Zitat, nachdem Sektion der "bildenden Kunst", wenn man sie so nennen will, benannt ist.
Das Zitat selber kommt natürlich von Felicia Day in Joss Whedons Dr. Horrible's Sing-Along Blog Commentary-Musical.
Samstag, 7. April 2012
Slackerrecords: -
Jetzt ist es fast Zehn und ich habe den ganzen Tag immer noch nichts getan. Ich könnte wirklich nicht sagen, was ich getan habe. Alles was bleibt ist die Sehnsucht nach irgendetwas, das fehlt.
Gefasel: Ein Ostergebet
Ich fiel auf meine Knie, um zur heiligen Dreifaltigkeit zu beten, beginnend mit Jesus Christus.
„Jesus Christus, ich weiß, ich bin nicht immer dein treuster Untertan gewesen. Darum scheint es mir etwas unfair dich jetzt so etwas zu fragen. Du bist ein Mythos, dein Name ist auf der Welt bekannt und wird angebetet. Du bist eine Gestalt irgendwo zwischen Fiktion und Realität, das beides zu dir verschmolzen bis zu einem Punkt wo keine Ausdifferenzierung mehr möglich ist, und viel wichtiger, wo sie gar keine Rolle mehr spielt. Du bist im wahrsten Sinne des Wortes auferstanden von den Toten. Und lebst jetzt unsterblich zwischen uns. So ewig erstarrt und immer wandelnd erhalten, dass es kein Mensch deine Rückkehr glauben würde, wenn du dir Latschen anziehst, einen dunklen Bart wachsen lassen würdest und weißer als Michael Jackson wärst.
Hier also meine Frage: Wie haben sie das gemacht? Wie bist du zu so etwas wirklich bemerkenswertem geworden? Ein realer Kern mit zahllosen Geschichten, die dich als Gott ausweisen. Das haben sie mit Elvis auch gemacht, aber trotzdem beten ihn die Menschen nicht an. Jedenfalls die meisten nicht. Ich hoffe das nimmt in den nächsten zweitausend Jahren ab, sonst gefällt mir die Antwort auf meine Frage nicht.
Wie also schafft man etwas so außergewöhnliches, dass es nicht vergessen wird? Diese epischsyte aller Geschichten? Wie hast du es gemacht ein tragisches Ende hinzulegen, dann trotzdem noch ein Happy End aus dem Hut zu zaubern und ein dickes Sequel anzupreisen, auf das wir – nebenbei bemerkt – heute noch warten und das ganze sogar glaubwürdig erscheint? (Glaubwürdig? Verstehste?) Plus: Judas was für eine coole Wendung, aber Petrus? Das war pures Gold! Und hast du eigentlich jemals das Remake von 2000 gesehen? Frederick B Owens als Caiaphas? Ich hätte nicht gedacht, dass mich nach dem Sisko ein glatzköpfiger Schwarzer nochmal so beeindrucken kann.
Naja. Wenn du mir jemals eine Antwort geben willst, dann sag Bescheid. Ich frag schon mal die anderen beiden.“
Und so ging ich die Dreifaltigkeit weiter durch in der Hoffnung eine Antwort auf meine Frage zu finden.
„Johnny Cash, ich weiß nicht ob du mich hören willst, und ob du überhaupt im Himmel bist. Du warst gläubig und so, aber dass Engine 143 das letzte Lied ist dass du aufgenommen hast, ist schon ein wenig schwach. Wäre da nicht etwas gewaltigeres angebracht gewesen? Außerdem? Ein Baptist? Wirklich? Nichtsdestotrotz. Du hast keine Fiktion gebraucht. Du bist eine lebende Legende gewesen. Du weißt schon. Bis du zur toten Legende geworden bist, und so. Klar, ein guter Teil Show war dabei. Skandale und Geschichten. Aber deswegen bin ich nicht hier. Du hast es verstanden eine Stimmung den Rücken bis in Mark laufen zu lassen und für eine kurze Zeit das Leben eines Menschen zu zerstören. Das alles mit einem einzigen Lied. Ich denke natürlich eher an Hurt als an Ring of Fire. Was das ganze Geschrei darum soll, versteh ich bis heute nicht.
Wie also bringst du einen Funken bis ins Steißbein deiner Hörer? Was macht es so speziell? Wo ist der Punkt, der die Leute vor Ehrfurcht in Starre versetzt?
Naja. Ich frag wohl besser trotzdem mal den großen Mann selbst.“
Ich wappnete mich für den letzten Teil meines Gebetes.
„Lange habe ich überlegt, ob du wirklich der dritte Mann in der Dreifaltigkeit bist, aber der Kultstatus ist doch eindeutig bei dir zu finden und danach such ich ja. Dann kann der Schwarze einfach nicht mithalten. Auch wenn ich hoffe, dass er dich nochmal überholt. Nichts für ungut, ich jedenfalls drück ihm die Daumen.
Also Captain Picard, du hast uns beim Fünfzigsten für den Vater geholfen, jetzt kannst du vielleicht nochmal helfen. Du bist pure Fiktion. Dich gibt es nur in deiner Rolle als der, der du bist. Du hast vielleicht einige Facetten, und bist auch irgendwann mal privat, aber du hörst nie auf der zu sein, den du darstellst, weil dann wärst du Patrick Stewart. Als pure Fantasie und Kultobjekt bist du vielleicht echter als die anderen beiden. Du hörst nie auf das zu sein. Du bist das Werk, dass sich jeder Kreative nur wünschen kann. Unvergesslich, beeindruckend, unfehlbar. Wie bist du zu dem geworden was du heute bist? Haben die Leute es damals geahnt? Wussten deine Autoren, was sie da schaffen? Und dabei bist du doch noch gar nicht so alt. Was ist so unwiderstehlich richtig an dir?
Naja, es ist wohl Zeit Schluss zu machen. Also ihr Drei, wenn ihr mir jemals eine Antwort geben wollt, ich bin hier. Muss ja nicht sofort sein. Ich hab Zeit. Aber innerhalb der nächsten Fünfzig Jahre, wäre es schon schön.“
Ich erhob mich von meinen Knien und sah mich in der merkwürdigen Realität um, in der ich wieder war.
„So say we all.“
Donnerstag, 5. April 2012
Slackerrecords: Aus dem Leben eines Taugenichts #3
Für Außenstehende schaut das Leben eines Taugenichts oft anders aus, als für ihn.
Endlich war das Zimmer mal wieder sauber. Zeit für Mittagessen. Dann Küche putzen! Aber natürlich hatte der Taugenichts nichts mehr in seinem Kühlschrank. Und der Cidre war auch leer getrunken. Wieso das alle paar Tage passiert, blieb ihm ein Rätsel.
Die umliegenden Supermärkte haben keinen Cidre, also musste der Taugenichts zum nächsten Real fahren, da wo es das richtig gute Zeug gab. Der Parkplatz war ein Schlachtfeld. Links und Rechts von der Einfach wollten Autos rein und raus, mit Fahrern die entnervt, erzürnt schreiend in alle Richtungen, wild ihr Straßenverkehrsrecht durchsetzten.
„Das wird ein Spaß“, murmelte der Taugenichts.
„Misery's the river of the world. Everybody row!“ kommentierte der kleine Tom Waits, der in seinem Autoradio wohnte.
Der Taugenichts lenkte scharf tief ein und setzte sein Gameface auf. Schreiend sprang er ins Gewässer. Rechts dem Lieferwagen ausgewichen, links an dem Ausparker vorbei, schnell gewendet, um die neue Parklücke zu erobern. Drei Autos standen davor und stritten sich um die Lücke, als ein schwarzer Audi souverän das Revier eroberte.
„Jemand will eine Schleifspur an seinem Heck haben...“
Der Taugenichts verwarf den Gedanken, als er am anderen Ende des Parkplatzes eine Frau ihren Kofferraum schließen sah. Er riss das Stauer herum, und fuhr los. In Schrittgeschwindigkeit. Sicherheit geht vor.
Drüben angekommen, war bereits ein Renault in Lauerstellung, der Taugenichts setzte zurück und sah sich nach einer anderen Gelegenheit um. Er wollte links auf den Hauptweg abbiegen, aber der Strom der Autos war zu stark. Weiter vorne Rechts gab es nur überfüllte Parkplätze, und plötzlich stand der Taugenichts wieder draußen auf der Straße.
„Die erste Runde hast du gewonnen, Realparkplatz, aber bei der Zweiten, werde ich dich verparken.“ Der Taugenichts hatte keine zeit zu überlegen, dass das keinen Sinn machte, als er die hypothetischen Kameras platzierte und sich erneut ins Gefecht stürzte. Dann ging alles ganz schnell. Links, ein halbe Parkplatz frei. Der Taugenichts reagierte und stellte sich in Einfahrposition. Eine Mutti im Kombi flitzte von links heran.
„So nicht, Mutti!“ schmetterte der Taugenichts ihr entgegen und führte ein Manöver durch, dass er gerne den rückwärtigen Baron nannte. Quietschend und dampfend kamen seine Reifen in der Parklücke zu stehen. Auge um Auge mit der Kombimutti. Wir sehen uns drinnen. Schienen sie zu funkeln.
Denn der wahre Kampf begann gerade erst. An der Tür begegnetet der Taugenichts [einem wahllosen Kollegen vom Theater]
„Sie sind wahnsinnig geworden! Alle! An der Fleischtheke begannen wir uns wie die Tiere zu zerfleischen! Geh nicht darein.“
„Wir haben nicht immer die Wahl, [wahlloser Kollege vom Theater]. Dadrinnen liegt mein Cidre, und ich werde ihn mir holen, und wenn ich das wichtigste dafür opfern muss, dass ich besitze.“ Der Taugenichts bemerkte, dass seine Stimme inzwischen rief, rau und kernig geworden war.
„Wie?“ fragte der verwirrte Kollege.
„Keine Angst. Sobald ich drinnen bin, werde ich genug Gelegenheit haben deinen Tod zu rächen.“
„Meinen Tod? Was redest du da?“
Der Taugenichts lies die Einwände des Kollegen zusammen mit seinen Skrupeln und dem guten Benehmen an der Drehtür zurück.
Als er an den Sonderangeboten, der Multimediaabteilung und der Hygiene vorbei war, und endlich das Essen erreicht hatte, war er bereits der Terminator.
„WURST!“ rief er der alten Frau ins Gesicht, die sich die Edelasalami schnappen wollte, die der Taugenichts bereits zwischen seinen Fingern hatte. Ein kleines Kind, das an ihm vorbei geschoben wurde sah ihn entgeistert an. „Wurst!“ wiederholte der Taugenichts, wie um seine Handlungen zu begründen. Und mit „Wurst“, bestätigte er sie, als er nocheinmal den Blick über die Auswahl schweifen lies. Alles war da. Nur etwas fehlte noch. Die passierten Tomaten. Bei seinem dritte, oder vierten Besuch hatte der Taugenichts langsam, einen Überblick. Im hinteren Teil gab es die Ernährung. Links Gewürze, Teifkühlkost, Feritggerichte, dann Fleisch und ganz rechts Käse. Aber wo waren die passierten Tomaten? Er musste gegen den Strom der Einkaufsveteranen kämpfen, viermal die ganze Sektion zirkulieren, bis er endlich den richtigen Gang fand. Versperrt von einem Wagen voller Kartons, der gerade von einem überforderten Angestellten, gegen hungernde Horden von Einkäufern verteidigt wurde. Der Taugenichts musste einen anderen Weg finden. Er spurtete durch den nächsten Gang, zwängte sich zwischen zwei Einkaufswägen durch – er wusste schon, wieso er auf diese riesigen eisernen Behinderungen verzichtete – und näherte sich seinem Ziel von hinten durch die Spirituosenabteilung. Am Regal angekommen fand er nur den niedergeschlagenen Angestellten in einer roten Lache liegen. Die passierten Tomaten tropften von seinem Hemd.
„So nutzen mir die passierten Tomaten nichts.“ Der Taugenichts sah neben den durch den umgefallenen Verkäufer zerschlagenen Karton und griff zu, hielt dann aber inner.
„Zu kleinen Teilchen geschnittene Tomaten? Was soll dieser Müll?“
Der Mann am Boden begann zu röcheln. „Es waren zu viele. Wie die Wilden sind sie über mich gekommen und haben mich einfach hier liegen lassen.“
Der Taugenichts beugte sich nach unten und nahm seine Hand.
„Wo gibt es noch mehr passierte Tomaten?“ fragte er so rücksichtsvolle wie er konnte.
„Sie haben sie nicht gefunden, ich konnte sie verstecken.“ Er zog ein Päckchen hervor. „Das hier ist das letzte im Laden. Hier nimm!“ Der Angestellte hustete ein wenig passierte Tomaten aus.
„Dein Opfer wird nicht vergessen werden“, sagte er und begann sich den Weg zur Kasse zu bahnen.
„He! Was ist mit mir? Du kannst mich doch nicht zurücklassen. Willst du mir nicht aufhelfen?“
Der Taugenichts drehte sich nicht um.
„Nein.“
„Du trägst die Taschen, als wären sie leicht“, spricht die Taugenichtsin, die mir ihren kleinen Beinen nur schwer Schritt halten kann.
Die Lippen des Taugenichts formen bereits die Worte: „Das ist meine überlegene männliche Physiognomie, Baby.“ aber seiner verbalen Inkontinenz wird unterdrückt, als er bemerkt, dass es die Gene seines Vaters sind, die da sprechen.
„Ich kann wirklich selber noch eine Tasche tragen!“
„Jaja.“
Die überbeladene Eins sechzig Frau, gräbt ihren Schlüssel aus und öffnet nach viel Gewerke die Haustür mit der Hand, die sie nicht freigehabt hätte, hätte sie noch eine Tasche getragen.
„Willst du noch einen Kuchen?“ fragt sie. Der Inhalt alleine reicht, um den Satz verführerisch zu machen.
„Kuchen? Ich komm noch mit rein!“
Es dauert ätzend lange, bis der dazugehörige Kaffee fertig ist und der Kuchen endlich verzehrt werden kann. „Das ist mein Lieblingskuchen, das heißt du bekommst kein zweites Stück.“
Der Taugenichts hatte so etwas geahnt, aber warum wurde er in die Wohnung gelockt.
„Sorry, ich musch jetzt mal schnell mein Bett beziehen.“
Bett beziehen. Schnell. Etwas stinkt hier.
„Wo hab ich denn jetzt mein neues Bettlaken hin?“ Die Taugenichtsin begann in der Küche die zahlreichen Taschen auszupacken und nach dem Bettlaken zu suchen, das ganz zweifellos ganz unten in der allerletzten Tasche war.
„Was mach ich denn, wenn es jetzt die falsche Grösche hat?“
Man konnte sich daran gewöhnen, dass die Frau alles ausspricht, was sie denkt. Nicht daran, dass sie nach ihrem Landgang den Dialekt ihrer Heimat mit zu uns brachte.
„Schau mal wasch ich gekauft habe!“
Und Manchmal was sie sehr sprunghaft.
„Ich hoffe esch stört dich nicht, mir beim Arbeiten zuzuschen.“
„Nein. Das spricht nicht all meine Helfersyndrome an, wenn du mit dem Reißverschluss kämpfst.“
„Wo schind die anderen Staubsaugeraufsätze? Ich hätte Mutter zuhören schollen, als sie mir das erklärt haben.“
Aber warum wollte sie ihn hierbehalten?
„Ach, ich nehme jetzt einfach das Teil, das dran ist.“
Was war ihr Plan....
„Ich habe übrigens in einer Stunde Probe.“
A-Ha!
„Und ich muss dir was gestehen...“
Der Taugenichts nahm ihr die Arbeit ab: „Du hast mich mit Kuchen hier hereingelockt und hoffst jetzt, dass ich lange genug da bleibe, um dich beim Theater rauszulassen?“
„So offensichtlich?“
„Ich geh jetzt.“
„Warte noch es ist ja gleich soweit.“
„Nein, du kannst auch laufen. Ich muss dir jetzt nicht bei der Arbeit zusehen.“
„Ich kauf dir eine Flasche Cidre.“
„Zwei.“
„Deal.Wie groß bist du?“
„Eins achtzig nochwas.“
„Gut. Kannst du mir bitte das Bettlaken da runter holen?“
„Wieso hast du da oben überhaupt Regale?“
Viel war geschehen an dem Tag, so dachte sich der Taugenichts, als er nach der Aufführung in seinen Schreibtischstuhl sank und noch ein bisschen kreativ wurde. Alles Stoff, den er jetzt auf seine digitalen weiße Flächen bringen konnte. Es war ein sehr entspanntest Leben, dass er führte, egal wie stressig ein einzigen Tag plötzlich werden konnte, solange er die Möglichkeit hatte am Ende des Tages so zu fliehen. Das tat er noch einige Stunden. Dann klingelte sein Telefon. Mitten in der Nacht? Wer konnte das nur sein? Er nahm ab.
An das was die Person am anderen Ende der Leitung sagte, konnte sich der Taugenichts am nächsten Tag nicht mehr erinnern. Er erinnerte sich auch nicht daran, dass er den Schalldämpfer auf die Leica aus dem Koffer, der unter seinem Bett versteckt war, aufschraubte, seinen Mantel anzog und das Haus um 02:57 Uhr verließ und erst um 04:14 Uhr wieder nach Hause kam.
Dienstag, 3. April 2012
Slackerrecords: Aus dem Leben eines Taugenichts #2
Theatertag. Es löst gemischte Gefühle bei dem Taugenichts aus, wenn er weiß, dass er abends ins Theater muss. Es ist nicht das schlechteste was passieren kann. Ein freier Abend hat Vorzüge, aber den kann er sich auch noch machen, wenn er nach Hause kommt. Das spielen ist wohl auch recht spaßig. Die Gesellschaft ist hervorragend. Die Routine etwas langweilig. Der Tag verläuft aber trotzdem unter einem Schatten. Er kann ihn gut genießen, bis zu dem Punkt, nach dem Mittagessen, wenn er bemerkt, dass er nur noch einige Stunden eitle Freizeit hat. Erst jetzt wird der Taugenichts richtig wach und beginnt sich um die schönen Künste zu kümmern. Er setzt sich hin und beginnt zu malen. Dazu läuft ein generisches Drama. Irgendetwas, wo man nicht unbedingt hinsehen muss. Ohne besonders schöne Bilder oder Schauspieler. Die Dialoge sind das, was eine seiner Gehirnhälften beschäftigen. Die andere ist schwer damit beschäftigt der Farbe gegenüber zu treten und sie zwingen zu wollen. Der Durchbruch geschieht immer kurz nachdem der Taugenichts dazu gezwungen ist aufzuhören, denn er muss jetzt ja ins Theater. Das Duschen kann er jetzt vergessen, umziehen lohnt sich ohnehin nicht, wenn man nur rüber geht und sich eine Maske ins Gesicht zu malen und ein Kostüm anzuziehen.
Kurz vor Neunzehn Uhr kommt er im Theater an. Zwei Minuten und Fünfzig Sekunden nachdem er seine Wohnungstür verlassen hatte. „Guckuck!“ Der Taugenichts weiß genau wie er seine Schlüssel werfen muss, damit sie auf der kleinen Ablage unter seinem Spiegel landet. Ein singendes „Hi-i“ begrüßt ihn von seinem Gegenüber auf der Bühne und das breite Grinsen und das warme Lächeln von zwei Mitspielerinnen durch die Spiegel an der Wand gegenüber des Eingangs nehmen seine Anwesenheit war. Sonst ist nur eine Friseuse da, die sich jeden Abend um die Haare der Protagonistin kümmert. In wenigen Minuten wird der Taugenichts diesen Moment nicht mehr von all den anderen unterscheiden können, in denen er die Maske betreten hat, so identisch waren sie. Man unterhält sich viel. Noch ist niemand da. Nur die, die lange Vorbereitungszeiten für ihre Maske haben, sowie der Taugenichts und sein Gegenüber, die das recht aufwändige Bühnenbild aufbauen müssen. Der Taugenichts setzt sich gerade hin, und als er gerade die Grundierung auf sein Gesicht aufgetragen hat, ist sein Partner bereit nach unten zu gehen und alle herzurichten. Immer zur selben Zeit. Um Kurz nach Sieben kommt er wieder hoch. Die Ensemble ist inzwischen fast vollzählig anwesend. Irgendjemand kommt immer später, und man unterhält sich darüber, ob die Person noch kommt, und wer anruft, wenn nicht. Aber bis auf einen Ausnahmefall – Eine gesegnete Abwechslung im Theatertrott des Taugenichts – sind alle da. Der Taugenichts ist gerade fertig mit Schminken und sich anziehen, als er wieder mal bemerkt, dass es noch zehn Minuten bis zum Einsingen sind, und dass er schon wieder zu früh gekommen ist.
In seinem ersten Auftritt als Teil des Chors beobachtet er die Protagonistin ganz genau. Wenn sie rechtzeitig den Weg nach hinten antritt, um sie zur richtigen Stelle mit ihrem Stab zu bedrohen, hat sie einen guten Tag, und die Vorstellung wird besser. Er weiß auch, wann er den Satz seines eigenen Gegenübers übernehmen muss, wann er ihn vergisst, und in welchem Moment es klar wird. Sein erster Blick ins Publikum verrät ihm wieviel los ist. Er durchleuchtet die letzten Reihen und versucht herauszufinden wieviel in der Finsternis frei sind. Dann blitzt etwas in der Ecke vorne. Ein akkustisches Signal. Ein vertrautes Kichern, gekoppelt mit dem richitgen Grinsen. Vorne sitzt die krähende schöne Juristin, frisch aus dem Urlaub im nahen Osten zurückgekehrt. Wie schön, dann wurde sie also nicht in die Luft gejagt! Der Taugenichts hat viel freie Zeit zum denken, während er die automatischen Bewegungen durchführt. „Gern Herrin, gern!“ Der Text sprudelt selbstverständlich aus seinem Mund. Niemand bemerkt, wie er seine eigenen Gedanken macht. Wie sein Kopf an ganz anderen Orten ist, als Teil des Massenornaments, sieht niemand sein Gesicht.
Der große Blonde reagiert weit aus sensibler auf die Anwesenheit der alten Freundin. Immerhin hatten die drei eine gewisse Vergangenheit zusammen, die verbindet. Während der Taugenichts und er große Blonde auf der Bühne stehen und spielen, sitzt die schöne Juristin im Zuschauerraum. Das ist das ungewöhnliche. Seit drei Jahren hat weder der große Blonde, noch der Taugenichts ein Stück ohne sie gespielt. „Freilich!“ Pause für Gelächter. Die Lieblingsstelle des Ensembles und der Moment in dem es sich entscheidet, ob das Publikum des Stück mag, oder sich langweilt. „Du kennsd doch des runde Ding, des Nochds am Himml is.“ Pause für Gelächter. „Des woar ich.“ Pause. „Etzt bin ich nunder gfalln! Hähähä!“ Der Taugenichts bekommt keine Einzelheiten mit, als er sich auf sein Spiel konzentriert. Hier hat er nicht den Luxus seinen Gedanken schweifen zu können. Jede falsche Bewegung, jede Millisekunde, die eine Pause zu lang oder zu kurz ist, entscheidet über die Pointe, und jede Pointe kann Gelingen und Niedergang des Stücks bestimmen. Der große Blonde, der zu diesem Zeitpunkt aber zu seinem Füßen kauert, ist keinen Schritt weit von der schönen Juristin entfernt. Die schöne Juristin wiederum ist am Theater bekannt für ihren sehr – sehr - markanten Lacher. Die Finger des großen Blonden bohren sich in das Bein des Taugenichts, als diesem gewahr wird, dass der Dritte Teil unseres Trios den Blonden aus seinem Spiel herausbringt. Der Taugenichts versucht mit einem ausladenden, betrunkenem Lacher seiner Rolle ihm noch ein wenig Zeit zu verschaffen, und der große Blonde ist Profi genug, um die Zeit zu nutzen. Er springt auf und ist sofort wieder in seiner Rolle.
Und so begann der Abend im Theaterkeller. Die Bar hat schon längst geschlossen, als das Trio immer noch alleine wie immer versumpft sind. Die schöne Juristin erzählt von ihrem Aufenthalt im Nahen Osten, von Mauern, die durch die Stadt gebaut werden und dem toten Meer. Der große Blonde erzählt von Frauen, Exfreundinnen und anderen Weibern, und der Taugenichts versorgt die beiden mit sarkastischen Kommentaren und weist sie immer wieder auf das Offensichtliche hin, dass das Theatervolk seiner Meinung nach sooft übersieht. Zu dritt schaffen sie es letztendlich vor die Tür. Liebesbekundungen werden ausgetauscht, wenn der große Blonde nach rechts verschwindet, und die anderen beiden nach links in Richtung ihrer Wohnungen verschwinden.
Der Schlüssel passt wieder mal nicht. Verwundert kratzt sich der Taugenichts am Kopf. Natürlich war er wieder vor dem Block C zum stehen gekommen und nicht vor seinem eigenem. Eine Tür weiter passt der Schlüssel plötzlich und der Taugenichts kann ganz langsam die Stufen hochklettern bis ins oberste Stockwerk, wo er sich bemüht so leise wie möglich zu sein, um die Mitbewohnerin nicht zu wecken.
Jetzt war er da, der Augenblick. Der Taugenichts lies sich auf seinen Schreibtischstuhl fallen. Jetzt konnte er kreativ werden.
Sonntag, 1. April 2012
Gefasel: Verschwindibus!
Es nagt etwas in mir, etwas, das sich regt, sich windet, pulsiert und klopft. Es ist der Drang etwas zu sagen, etwas zu schreiben, etwas auszudrücken. Irgendwo zwischen Hirn, Herz und Arschloch streift es umher, findet aber keinen Ausgang, keinen Weg in die selbe Phase in der sich auch mein Körper bewegt, um erkannt, gefunden verarbeitet zu werden, in Form Form gebracht zu werden, in mein Herz gebracht zu werden, um in meinen Kopf gepumpt zu werden, dort wie ein Springbrunnen herauszuquellen, meinen Körper zu besetzen, meine Schultern unter Kontrolle zu bringen, über meine Arme zu fließen und schließlich auf meiner Tastatur zu verenden – damit sie die eigentliche Metamorphose des formulierten Gedankens, in die gedachte Form eines jeden Lesers beginnen kann.
Es nagt und knurrt in meinem Inneren, als würde es drohen sich jeden Augenblick den Weg nach draußen frei zu beißen, wenn ich es nicht sofort entfessele und es über das weiße Papier ergieße. Dieses Ding, dieser Funke, dieser wasauchimmeresist, sitzt da und versucht es. Es kämpft, es krallt sich fest und zerfleischt das Innerste von diesem Behälter, in dem es sich befindet, schlägt die Krallen über dem Kopf zusammen und wird ganz klein und hilflos, wie ein Kind, kauert sich in der Ecke zusammen, winselt um Hilfe, ruft um Gnade, doch findet keinen Weg nach außen.
Freilich versuche ich es zu retten. Ich suche tief in mir nach dem Ort an dem es sich befinden muss und überlege. Ich frage mich, ob ich es nicht schon mal gesehen habe, und wo ich es hingelegt haben könnte. Ich sehe einen Gedanken von Schönheit vor mir, und erkenne eine Ähnlichkeit mit dem Ding, dass da verschlossen und versteckt ist. Ich folge dem Gedanken, finde aber nur Andere, die alle näher an das führen, was ich Schönheit nenne, was so subjektiv für mich einzigartig ist und für niemand anderen so schön ein kann, aber wenn ich sie zu sehen kriege und ein Bild von ihr malen darf, dann doch für alle so verständlich wie nichts anderes sonst.
Aber die Schreie von etwas ganz anderem halten mich davon ab. Ich habe mich ablenken lassen, finde nicht mehr das, was mich zu meinem Ziel bringen sollte. Irgendwo muss es sein, und es muss schleunigst gefunden werden, sonst passiert noch etwas!
Mit immer kleiner werdenden Fäustchen schlägt es jetzt gegen seine Zellwand. Es kann kaum noch atmen und jeder Zug droht der letzte zu sein. Bis er irgendwann da ist, der Letzte Atemzug. Und es ganz still und tot in seinem Käfig liegt und es völlig beginnt seine Materialität zu verlieren. Jetzt löst es sich auf und wird völlig unfassbar.
Ich suche und krame, ich schlage selber meine Hände über den Kopf zusammen, verzweifelt versuche ich es zu finden, aber es ist fort. Der Gedanke ist mir entfleucht. Eine Nachricht blinkt auf. Ich klicke auf den kleinen Brief und lese mir durch was irgend jemand anderes zu sagen hat. Und es verschwindet jede Hoffnung den Gedanken jemals wieder zu finden.
Freitag, 23. März 2012
Slackerrecords: Aus dem Leben eines Taugenichts # 1
Es ist eigentlich gar nicht so spät, irgendwann nach Neun, nie nach Elf Uhr, wenn sich der Taugenichts in seiner Verantwortungslosen Zeit aus dem Bett schält. Müde öffnet er die Zimmertür und sieht vielleicht noch eine entfernt menschliche Gestalt, gegen das gleißende Licht der Morgensonne.
„Huwu Ahm wupfmnim“, sagt er schlaftrunken und torkelt zum morgendlichen Stuhlgang.
Erleichtert und mit schon mal halb geöffneten Augen zieht er sich zurück, Richtung Küche. Wer auch immer da im Licht gestanden war ist jetzt fort. Der Bademantel, der gerade noch mal aufgegangen ist, muss nicht wieder zu gemacht werden, und das macht den Taugenichts ganz froh, dass er so frei und unverklemmt in der Luft hängen kann. Er öffnet das Küchenfenster und sieht auf die Straße.
„HmmverfluchteJoggerelendesSportlerpackscheißGesundheitsnazis…“, brummt er – wisst ihr was er meint? – und nimmt sich Löffel, Schüssel und Milch aus dem Kühlschrank mit in sein viel zu großes Zimmer, um das Leben zu leben. Der erste Knopfdruck startet den Laptop, der zweite den Fernseher. Er sucht sich eine DVD raus, und wirft sie in den Player. Wenn er wieder auf seinem Schreibtischstuhl sitzt, ist der Rechner auch schon wieder hochgefahren. Mit einem entspannten Kratzen in seinen Niederlanden resigniert er ca. zehn E-Mails, die in den letzten Zwölf Stunden eingeflogen sind. Er reibt seine Augen und fragt sich kurz, wieso so viele Menschen ihm schreiben, was das soll, und erklärt wo sie hin fahren können. Ein Blick auf die IM-Programme soll ihm sagen, ob jemand interessantes zum chatten da ist. Dann fällt dem Taugenichts ein, dass ihm gar niemand einfällt, mit dem er im Moment schreiben wollte. Selbstzufrieden nickt er die Erkenntnis ab, und freut sich gar, über das holde Schicksal, dass ihn in die Situation gebracht hat mit niemanden reden zu müssen, wenn er das nicht will. Nebenher läuft schon lange seine hundertste Wiederholung von Buffy, und kurz hält er inne, um sich zu wundern, wie weit er in der Serie schon wieder ist. Die E-Mails werden alle sehr oberflächlich durchgeschaut und schnell wechselt er zum Internetbrowser. Facebook ist wie immer langweilig, bis der Taugenichts ein, oder zwei Kommentare entdeckt, in denen sein Eingreifen notwendig ist.
„Wo die Welt so ihre bloße Kehle zeigt, muss zugepackt werden, bis sie blau anläuft und um Gnade winselt.“ Es dauert ein bisschen, bis der Taugenichts merkt, dass er die letzten Worte laut ausgesprochen hat.
Dann wird das private Netzwerk verlassen uns apathisch werden Nachrichtenseiten nach interessanten Artikeln durchsucht.
„Nichts von alldem betrifft mich in irgendeiner Weise! Aber es macht wütend, dass irgendwo irgendwas passiert und niemand etwas dagegen unternimmt!“
Der Taugenichts hat ja sein Frühstück vergessen. Das war schon wieder die erste Folge von Heute, Nummer zwei wird gestartet.
Die Nachrichtenseiten, die gerade noch über weltbewegende Ereignisse berichtet haben verändern sich und berichten, über Serien, Popkultur und den allgemeinen Internetwahn. Irgendwo dazwischen liest sich der Taugenichts durch Scott Stevensons wöchentlichen Beitrag in „USA Erklaert“ durch. Nachdem alle Links im Beitrag erforscht wurden, alle Folgelinks durchgrast, ist es auch schon Zeit für Folge Nummer Drei.
Da klingelt es an der Tür. Es schnauft und keucht der nicht mehr ganz junge Postbote, der das Paket vorbeibringt.
„[Mutter der Mitbewohnerin]?“ fragt er. Der Taugenichts rollt mit den Augen.
„Ja, [Mitbewohnerin] ist meine Mitbewohnerin.“ Er verschweigt, dass die Mitbewohnerin die Tochter der Adressatin ist. Scheinbar hat die gute Frau bei Amazon wieder auf die falsche Versandadresse geschickt.
„Hum, ich brauche mal wieder anständiges Entertainment. Es ziert sich nicht, dass ein Medienwissenschaftler so schlecht ausgestattet ist, sagt er, als er durch seinen Ordner mit Verknüpfungen zu alten Spielen geht. Er klickt auf einen Icon seiner Wahl. Und die nächsten beiden Folgen vergehen wie im Flug. Bis der schreckliche Moment gekommen ist und die DVD gewendet werden muss. Jetzt ist irgendwann zwischen zwölf und dreizehn Uhr.
„Mittagessen! Großartig!“
Der Bademantel weht, als sich der Taugenichts in die Küche begibt und seine Vorräte scannt, obwohl er genau weiß, dass er nicht das hat was er braucht. Unwillig einkaufen zu gehen, wird er etwas kreativ und erschafft Essen aus dem Staub des Kühlschranks.
„Angebratene Zwiebeln mit Schupfnudeln Schinken und eine improvisierten Käsesahnsoße! Käsepampe! Mein Leibgericht!“
Der Gourmet teilt sich zwischen seinem DVD-Regal und dem Haufen angebrochener Serien unter seinem Fernsehen auf, bis er sich für ein etwas ernsteres Drama entschieden hat. Das ist Taktik. Solange das Essen auf dem Tisch kalt wird, kann er sich nicht zu lange aufhalten, aber ohne Fernsehen zu Essen wäre fatale Verschwendung von Zeit. Er setzt sich in sein Sofa, während er darüber nachdenkt was er in seinem Leben alles richtig gemacht hat, und welcher Teil davon nicht sein Verdienst war. Er kommt jedes Mal zum Schluss, dass er damit eigentlich nicht zu tun hat und nur einen sehr glücklichen Arsch hat. Er hat sogar jede Menge Fehler begangen und trotzdem wird ihm voll eingeschenkt. Nicht vor zu stellen, was passiert wäre, wenn er auf seinen Vater gehört hätte, und Theologie studieren… Nein, das ist wirklich ein zu furchtbarer Gedanke. Er könnte jetzt damit beschäftigt sein Hausarbeiten zu schreiben, oder Klausuren. Lächerlich!
Das ernstere Drama braucht volle Aufmerksamkeit, also tut der Taugenichts nach dem Essen nichts, außer es sich auf seinem Sofa gemütlich zu machen. Er bemerkt nach dem Ende der letzten Folge, wie spät es ist. Er hatte doch noch so viele Pläne für den Tag! Er wollte, einkaufen und malen und schreiben und die lästige Pflicht des Tages erfüllen.
„Was ist eigentlich die lästige Pflicht des heutigen Tages?“ fragt er sich selbst. Er schaut in seinen Kalender und beschließt, dass heute der perfekte Tag ist, um einen Arzttermin auszumachen. Gesagt, getan! Der Taugenichts ist ein Mann der Tat! Er braucht vielleicht fünf Stunden eitles Nichtstun, bis er etwas tut, aber dann muss es getan werden. Mutig sucht er sich die Nummer seines Pneumologen hinaus und lässt einen Termin vereinbaren.
„Nächster Dienstag! Ausgezeichnet! Ich werde da sein!“
Pfuh! Das war wieder ein Aufwand. Besser der Taugenichts erholt sich ein wenig, bei einer entspannenden Aktivität. Es fühlt sich heute nach malen an, beschließt er und holt seine Malkiste und greift sich die größte Leinwand, die er finden kann. Nur was malt er heute? Egal, er sucht sich erstmal eine Serie, zum nebenher ansehen. Wieso nicht die DVD die schon drin ist? Also wird die erste Six feet under Staffel eben zu ende gesehen. Six feet under… Beerdigung… Tod… malen wir doch einfach noch ein Bild von meinem DnD Charakter. Als der Flow gerade richtig anfängt zu... flown, klingelt es an der Tür.
„Das ist bestimmt wieder ein Postbote der irgendwas langweilig für irgendjemanden langweiligen bringt, der nicht Ich ist und dann noch nicht einmal den Anstand hat daheim zu sein.“ Der Taugenichts schleift sich zur Tür und lässt die Leute unten rein. Dann überlegt er sich, wie er die dreißig Sekunden, die Werauchimmer für die Treppen braucht, produktiv nutzt. Er beschließt sich eine Hose anzuziehen. Aber dann klopft es an der Tür. Wer auch immer steht schon oben. Es kann nur die Nachbarin sein, die sich beschwert, dass der Flur nach unserer letzten Hausordnung nicht genug geglänzt hat. Im Bademantel öffnet er.
„Wer stört?“ Er konnte so öffnen, weil er wusste, dass die Nachbarin nicht gut genug deutsch konnte, um sein Genuschel zu verstehen. Allerdings wurde er überrascht. Eine runde Frau und eine junge Frau, viel mehr ein Mädchen, standen vor der Tür. In der Hand Prospekte. Die runde Frau lächelte ihn an, während die Junge Frau mit ihren viel zu großen Wimpern klimperte und ihn verstohlen ansah. Unter anderen Umständen, sehr effektiv, um mich dazu zu bringen Dinge zu tun, die ich sonst nicht tun würde. Die Umstände blieben aber. Blond gefärbte Haare. Sie wollen was verkaufen.
„Guten Tag.“ Die alte Runde streckte mir einen Flyer entgegen. „Wir wollten Sie nur über den Tod unseres Erlösers informieren.“ Der Taugenichts überflog den Zettel. Arme Verwendung von Platz. Keine übersichtlichen Informationen. Zu viel Text. Zu wenige Bilder. Er war nicht interessiert. Nur eines wollte er noch wissen. Wer waren diese Leute? Könnte es sein…? Ganz unten fand er die Antwort auf seine Frage. © 2012 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania. STRIKE!
„This is gonna be fuuuun“, dachte sich der Taugenichts in Communitys Brittas Stimme. Sofort flogen seine Gedanken weiter zu Jehovas Most Secret Witness. Die Folge hatte er doch erst gestern gesehen. Da fällt ihm ein, dass heute eine neue Folge online sein sollte. Aber dafür war jetzt keine Zeit. „Unser Erlöser? Der Typ mit dem Bart und der Dornenkrone, richtig? Aber ich glaube doch gar nicht an Jemus.“ Eine klare Simpsonsreferenz. Völlig verschwendet an die Audienz.
„Ja, Jesus, unser Erlöser-“
„Aber ist er nicht Weihnachten gestorben? Ich dachte das dürft ihr gar nicht feiern. Hattet ihr nicht irgendwas gegen – ähm – Feiern und Spaß?“
An dieser Stelle lehnte der Taugenichts sich entspannt an seinen Türrahmen. Dazu musste er etwas nach vorne treten, in die Aura der Fremden. Im Traum hätte er nicht dran gedacht, dass das funktioniert. Der Bademantel tat seine Pflicht und sprang auf. Nur viel zu enge Unterhosen und sein Paar Hausschuhe bekleideten den Taugenichts.
Die Frau wich einen kleinen Schritt zurück und schaute pikiert. Das Mädchen sah Hilfe suchend zu ihre herüber. Der Moment war zu köstlich, um ihn nicht auszunutzen.
„Und was ist mit dir?“ wendete er sich an die errötende Blondine hinter dem Rücken der anderen. „Wirst du hier nur mitgeschleift und hast eigentlich kein Interesse an dem ganzen Scheiß? Oder wurdest du seit jungen Jahren der Gehirnwäsche unterzogen?“
Der Taugenichts bemerkte, dass sein Herz raste. Er war noch nie so grundlos respektlos gegenüber Fremden. Freunden, Familie, Kollegen, freilich, aber Fremde? Das war Neuland. Dann wiederum sind sie selber Schuld, wenn sie mit solchen schlechten Flyern hausieren gehen.
„Wir wollten Sie nur wissen lassen, dass der Erlöser für Sie gestorben ist.“
„Na, das haben sie jetzt ja getan. Ich hoffe die verschwendeten Stunden machen sich im Jenseits bezahlt.“ Und da knallte er die Tür zu.
In dem Moment fielen ihm all die Sachen ein, die er hätte sagen sollen. Ach, eine weitere Gelegenheit, die nicht ausreichend genutzt wurde. Verflucht!
Das Küchenfester stand noch offen. Wieder einmal war es Zeit sich hinaus zu lehnen, und über wahllose Passante zu schimpfen.
„Verfluchte Inlinefahrer! Fahren da so rum auf meinem Gehsteig und glauben, dass das in Ordnung sei! Ist denn schon Sommer, oder Was?“ Er hält einen Moment inne, als er bemerkt, was der Pflasterboden mit dem in der Sonne glänzenden Oberkörper der Brünetten Inlinerin macht.
„Ein guter Tag, um Inline zu fahren“, entscheidet der Taugenichts und schließt endlich das Fenster.
Donnerstag, 15. März 2012
Slackerrecords: Mal wieder ein Theaterbeitrag
Und wieder mal sitze ich da mit dem Drang euch zu erzählen, leider völlig ohne zu wissen was.
Ich könnte euch berichten, was alles so in Prag vorgefallen ist, und vielleicht tu ich da auch.
Wir waren da also von Freitag bis Montag. Ich will von den Höhepunkten erzählen:
- Fleisch mit Fleisch! Schweinemedaillons in Bacon eingewickelt!
- Semmelknödel mit Fleisch!
- Würste mit Wurst!
- Frittierter Käse!
- Honigkuchen!
- Was habe ich vergessen?
Dann kommt heute Abend das Bergfest. Der Sturm ist schon wieder halb vorbei. Vielleicht passiert etwas Aufschreibenswürdiges.
Außerdem versuche ich gerade mein verkümmertes zeichnerisches Talent wieder etwas aufzuwecken. Funktioniert leider nicht so ganz… Ich zeige euch einfach mal was von heute und was von damals, dann könnt ihr vergleichen und selbst entscheiden… Am besten irgendwas mit einem möglichst gleichen Motiv… Ja, ich erzähle euch was ich hier denke, aber wenn ich das veröffentliche hab ich alles rausgesucht, also ist es völlig belanglos.
Das hier ist Summer Glau, abgemalt kurz nachdem ich mein Grafiktablett bekommen habe.
Das hier ist von gestern. Es hört auf den Namen „Zufällige Asiatin“.
Jetzt habe ich mir überlegt, ob ich nicht öfter Bilder in meine Beiträge bauen will.
Junge, oh Junge, bin ich froh, dass ich noch gewartet habe und diesen sonst sehr mageren Beitrag noch nicht vor dem Bergfest abgeschickt habe.
Ja Skandale gab es nicht. Es gab keinen Totalabsturz und ich bin nicht im Bett neben allzu schönen Juristinnen aufgewacht. Tatsächlich bin ich noch nicht mal Schlafen gegangen, sondern wach und nüchtern genug, um das jetzt noch zu schreiben. Vielleicht bemerkt ihr ja einen Unterschied zu sonst. Würde an dem guten Met liegen, der noch durch meine Adern fließt. Aber ich schaff es nebenher noch einem Kommilitonen beim Essay zu helfen, also kann es so schlimm nicht sein. Auch wenn mein Kopf etwas drückt. Das kenn ich so noch gar nicht.
Warum gibt es keine Skandale? Wieso kann ich euch nicht brühwarm die Details meiner „bohemen“ Katastrophen ausbreiten? Glaubt mir, es wäre mir heute ganz recht mit viel zu vielen schwarzen Haaren im Gesicht aufzuwachen und mich erst langsam wieder an Abend und Nacht davor zu erinnern, in dem Wissen, dass so schön nicht ein zweites Mal wird. Was heute aber interessant ist, ist nicht das Bergfest, sondern die Aufführung selber. Das ist komisch, weil mir persönlich die Aufführungen immer am unliebsten sind. Die Proben, der kreative Prozess, die Charakterentfaltung, das sind die Sachen die mich reizen, Aufführungen, sind dann das, was man machen muss, um dafür das Geld zu verdienen. Oder in dem Fall das Geld für andere.
Zuerst will ich aber trotzdem mal beim Bergfest bleiben. Ich habe heute endlich mal Gelegenheit gehabt mit dem vom Herren Baron angefertigten Met anzugeben. Leider wurde dabei viel zu viel davon getrunken. Meine Vorräte sollten aber noch reichen. Vor allem da die Moerserin ihren seit Januar geplanten Besuch schon wieder abgesagt hat. Diesmal aber aus durchaus verständlichen Gründen wie einen Job. Und das ist ja immer wichtiger wie das Privatleben. Was war da noch Gutes? Käse! Schöner Italienischer Hartkäse mit allzu gutem Brot! Leider hat mich der so aufgehalten, dass ich gar nichts mehr von der Mousse au Chocolat abbekommen habe. Dafür war der Weißwein dazu umso besser. Für die zahlreichen Weins und Mets die heute über den Tisch gegangen sind, ist man aber noch erstunlich nüchtern. Vielleicht entwickelt man inzwischen ein Immunsystem gegen im Theater zu sich genommene Alkoholika. Übung macht den Meister? Der Nudelsalat war nicht zu verachtne. Der Ziegenkäse super und Kiwis sowieso.
Aber genug vom Essen. Die Aufführung!
Vorab das: Vor eine Aufführung sind immer alle Leute sehr mit sich selbst beschäftigt, und alle Aufmerksamkeit, die nicht an die eigenen Aufgaben, Schminke und Kostüme verloren geht, werden für blöde Kommentare verwendet. Den generellen Inhalt will ich euch hier sparen. Das schöne am Theatervolk ist ja der, dass sie sich zwar für nichts zu schade sind, aber in der Regel ein relativ hohes Maß an Bildung mitbringen. Es wird bisweilen also sehr witzig.
So witzig, dass man es gar nicht merkt, wenn mal eine fehlt. Wieso? Unsere Regieassistenz, die pro Forma die Abendleitung übernimmt ist eine Schlafkappe. Das macht aber nichts, weil eigentlich hat sie nichts zu tun und es ist alles fein. Es trifft ihn auch gar keine Schuld, weil er sich im Folgenden als Held herausgestellt hat. Das ist zwar nicht sehr logisch, aber so scheint das menschliche Hirn zu funktionieren. In Wirklichkeit hätte es ja auch nichts gebracht, wenn wir noch rechtzeitiger bemerkt hätte, dass [der Prinz] aus unseren Reihen fehlt.
Der Prinz erinnert mich sehr an mich, als ich mein erstes Stück an dem Theater hatte. Sehr eingeschüchtert und den Arsch (noch) nicht in der Hose, um sich den Platz zu schaffen, den man sich unter dem sehr einnehmenden Theaterleuten manchmal machen muss. Umso schlimmer wird es ihn treffen, wenn er wieder zurückkommt.
Er ist also einfach nicht aufgetaucht. Vierzig Minuten vor der Vorstellung, kam uns das sehr spanisch vor. Er war ja schon immer einer der spät dran war, weswegen man gerne noch mal fünf Minuten wartet, bevor man sich wunder, weitere fünf Minuten, bevor man etwas unternimmt. Ans Handy ging er nicht ran. Wir kennen dieses „einfach nicht ran gehen“ daher, dass diese Leute meistens spät dran sind, und in dem Moment, in dem sie angerufen werden, gerade in die Straße einbiegen. Weitere fünf Minuten warten wir… Es wird langsam Zeit sich einzusingen - weil jede anständige Theatergruppe auch noch ein leistungsfähiger Chor wäre! Wir beginnen Festnetznummern herauszusuchen und anzurufen. Irgendwann meldet sich der Vater. Sein Sohn sei nicht zu Hause und vermutlich in der Turnhalle im nächsten Kaff und spielt irgendeine Sportart. Also los! Ins Theatermobil! Wie die wilden fahren zwei Schauspieler los zur beschriebenen Turnhalle, um den armen Kerl niederzuschlagen und ins Auto zu schleppen – die Maskenbildnerin auf dem Rücksitz, um ihn beim Hinweg zu bemalen. In der Zeit bauen wir seine Sachen auf und stehen mit seinem Kostüm bereit. Er muss sich also nur noch entblättern und dreimal durchatmen, bis er Spielfertig ist!
Satz mit X? In der Turnhalle ist er nicht. Mehr noch. Die Turnhalle ist komplett leer! Da wird doch wohl nicht etwa jemand seinen Vater angelogen haben? Wo könnte er noch sein! All seine Verwandten und Freunde wurden durchtelefoniert. Wir kamen nicht an ihn ran. An sein Handy ging er immer noch nicht. Wir vermuten, dass er eine geheime Freundin hat, bei der er nicht gestört werden wollte. Ach, noch einmal jung sein…
Was tun wir also? Von der Regie, die gerade eben noch da war, aber sich sobald sie gehört hatte, dass etwas nicht stimmt, verzogen hatte – Finden wir das in Ordnung? – kam dann via Handy der Befehl: Absagen, Geld zurückgeben, Heim gehen. Das führungslose Ensemble (denn was bedeutet eine Stimme am Telefon schon…) hat sich jetzt beraten. Die Vorstellung so gut machen wie es geht, oder wirklich absagen. Ein Publikum mit so gar nichts nach Hause schicken ist eigentlich immer das schlechteste. Aber eine Aufführung mit einem fehlenden Darsteller, der auch noch eine Doppelrolle hat und gigantische Musikeinlagen, das ist schon hart. Das merkt auch ein schlafendes Publikum. Wir wollten uns gerade dazu entscheiden, dass wir das Publikum vor diese Wahl stellen, als von unten die Nachricht kam, dass sie bereits dabei sind die Leute heim zu schicken. Die ganze Diskussion gab es vor allem weil mindestens sechs Besucher aus Hamburg da waren, die natürlich nicht einfach Mal so wieder kommen können, wie normale Zuschauer aus meiner neuen Heimat.
Ich bin ja mit dem Gymnasium an einem zumindest in der Theorie semiakademischen Zirkel aufgewachsen. Was hat man da für ein Problem? Es wird immer stundenlang diskutiert. So auch jetzt. Also beschloss ich mich dazu mich zu duschen und unseren ganzkörperbemalten Caliban wieder sauber zu schrubben. Aber zuerst musste ich noch etwas anderes erledigen. Ich stellte mich vor unseren Einsingsaal, der mir inzwischen ein bisschen wie die neue Streikzentrale vorkam, und wartete auf das, was gleich kommen musste. Die Insassen diskutierten noch viel zu lange über Dinge, die eh schon entschieden waren und dabei gingen die beiden Frauen unter, die Hamburger besuch hatten. Die liefen dann in meine offenen Arme, als sie schluchzend – Ja, Theatervolk ist nun auch sehr sensibel – aus dem Saal stürmten.
Muss alles getan werden. Ich begleitete die blutjunge Miranda und ihre Mutter Prospera in die Umkleide und schon erreichte mich die Nachricht: Wir spielen trotzdem! Wer noch da ist soll sich in diese sehr spontane öffentliche Probe rein setzen, damit die Angereisten auf ihre Kosten kamen. (Denkt drüber nach. Leute kommen aus Hamburg um uns zu sehen.) Schnell zog ich Caliban aus der Dusche, damit seine wertvolle Farbe nicht abging und zog mich selber wieder um. Jetzt galt es. In wenigen Sekunden habe ich mit meinem Gegenüber dieses Stückes die betreffenden Szenen bei denen er auf und hinter der Bühne gefehlt hatte uminszeniert und umgestaltet, die etwas überforderte und sehr nervöse Regieassistenz hat den Text eingetrichtert bekommen und den Säbel des Prinzen angeschnallt bekommen und wurde einfach so auf die Bühne geworfen. Es war ein Fest! Er selber hat sich gut geschlagen und konnte nur der Held sein. Selbst wenn er es versaut, hatte er ja nie eine Probe oder irgendeine Zeit sich vorzubereiten. Und es gelang erstaunlich gut. Ein bisschen Manöver von seinem Gegenüber, ein bisschen soufflieren von einem Ariel und sehr viel extra Arbeit von uns Allen (Ich musste gleichzeitig Zimbeln und ein mir vollkommen unbekanntes Lied auf der Gitarre zupfen. Und ich habe gesiegt!) und schon war die Vorstellung schon wieder vorbei!
Was für ein chaotischer Haufen, hu? Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff, kümmert sich nicht um seine Mannschaft und nicht einmal die Schauspieler sind immer da. Das passiert aber nur alle Jahre mal. Und dann ist es meistens so, dass der Schauspieler noch erwischt wird, und man dann eben etwas später anfängt. Laientheater, yay! Dass jemand total in der Versenkung verschwindet und gleichzeitig die Aufführung vergisst, ist – so sagen es die Veteranen – in dreißig Jahren noch nicht vorgekommen.
Es kam auch eine Entschuldigung vom Schauspieler. Höchst förmlich, sehr nett. Der wird sich ganz schön was anzuhören haben, wenn er am Dienstag mit eingeklappten Ohren angeschlichen kommt. Er könnte einem fast Leid tun.
Unser Häuptling und Regisseur telefoniert im Moment das ganze Ensemble durch, um sich für sein Verschwinden zu entschuldigen. Die einzigen die Toben sind die Geldmenschen vom Theater, die alle Zuschauer wieder auszahlen mussten.
Und so haben wir also die letzte Aufführung der ersten Hälfte unseres Sturms gerettet. Seht witzig und für uns jetzt schon eine Geschichte die sich schön erzählen lässt, denn natürlich habe ich euch nur die Kurzfassung erzählt, denn Über drei Seiten gehe ich ungern raus. Und das habe ich jetzt getan.
Freitag, 9. März 2012
Slackerrecords: Drogenkonsum, Comics und der oberste König
Morgen geht irgendwie nach Prag. Ich weiß noch nicht genau wann, und ob nicht vielleicht doch erst übermorgen, oder sonst was. Aber innerhalb der nächsten 36 Stunden, so bin ich mir sicher, werde ich da sein und Christoph den Jüngeren in seiner neuen Heimat betrachten. Dann werde ich an meinem imaginären Bart zupfen und „Humm“ brummen. Darauf werde ich feststellen, dass er eigentlich gar nicht mehr nach Deutschland zurück will, sondern gleich da bleiben wird. Und dann wird seine Comicsammlung mir gehören…
Was noch? In weniger als fünf Stunden wird in einer vierminütigen Prozedur mein Patenkind Ozymandias, König aller Könige, in die Welt gebracht. Ich möchte noch mal betonen, dass es sich dabei nicht um meinen leiblichen Sohn handelt.
Und damit dieser kleine Zwischenstand nicht gar so armselig ist noch eine völlig vorhersehbare Geschichte.
Ich komme gerade vom Rollenspielen (Eclipse Phase. Sehr Interessant!) und habe anschließend noch zwei Mitspieler nach Hause gefahren (Jemanden mit Auto in der Stadt zu kennen ist ein zwei Punkte Kontakt). Als ich gerade den ersten an der Straße raus gelassen habe, erschrak ich über die beiden hellen Lichter im Rückspieler. „Cops!“ schrie mein Beifahrer im vollen Melodrama! Und natürlich sah ich das allzu vertraute rote Blinkelicht: Stop – Polizei. In gelangweilter Routine fuhr ich an den Straßenrand und kurbelte die Scheibe runter… Ihr kennt den Rest der Geschichte. Heute musste ich keine Aussagen machen und nicht ins Röhrchen pusten. Dafür wurde ich nach meiner Drogenvergangenheit befragt.
„Haben sie Drogen konsumiert?“
„Nein.“
„Sicher?“
„Ja.“
„Davor schon mal?“
„Nein.“
„Noch nie?“
„Ja.“
„Kennen sie Leute die Drogen konsumieren?“
„Ja.“
„Aber mitgemacht haben sie nie?“
„Nein.“
„Wenigstens einmal?“
„Nein.“
„Hat kürzlich jemand Drogen in ihrer Anwesenheit konsumiert?“
„Nein.“
„Sicher?“
„Ja.“
„Hatten sie in der Vergangenheit schon mal was mit der Polizei zu tun?“
Und da war er wieder der Ups!-Moment. Ich verkürzte auf:
„Ja.“
„Und was war das?“
„Straßenverkehr, halt.“
„Aber sonst nichts?“
„Nein.“
Das war einfach. Dann wollte er mir noch in die Augen leuchten. (Das kannte ich noch nicht! Das war aufregend!)
„Sehr vorbildlich,“ komplimentierte er die Reaktion meiner Augen. Meine Jungs! Und dann fuhr ich auch schon wieder weiter…
So ist das, wenn man nachts durch die leere Stadt fährt und dabei ein Taugenichts ist. Man wird zur Verkehrskontrolle angehalten.

